Bei diesem Buch war ich vor allem neugierig, weil die Mischung erst einmal interessant klang. Zwei Theaterstücke in einem Band, dazu ein eher ungewöhnlicher Titel und die Aussicht auf humorvolle, aber vielleicht auch nachdenkliche Momente – das hatte auf dem Papier durchaus seinen Reiz. Gerade wenn man gern mal etwas anderes liest, klingt so eine Sammlung ja erst einmal nicht schlecht.
In meinem Fall kam aber noch dazu, dass es sich um ein Rezensionsexemplar direkt vom Autor gehandelt hat. Umso mehr habe ich natürlich gehofft, dass mich das Buch überzeugen kann. Leider war das am Ende aber nur sehr eingeschränkt der Fall. Es gab zwar einzelne Momente, in denen ich durchaus schmunzeln musste, insgesamt blieb das Leseerlebnis für mich jedoch eher zäh.
Inhalt & Stimmung
Das Buch besteht aus zwei Theaterstücken, die inhaltlich sehr unterschiedlich angelegt sind. In Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten steht Hans Fredenbek im Mittelpunkt, ein Mann, der ganz offensichtlich in seiner eigenen Büro- und Verwaltungswelt feststeckt. Zwischen Aktenzeichen, Verordnungen und Zahlen verliert sich seine Wahrnehmung immer mehr in einem Gedankengewirr, das irgendwo zwischen überzeichnetem Humor und tragischer Note angesiedelt ist.
Das zweite Stück, Einladung zum Klassentreffen, schlägt dagegen andere Töne an. Hier geht es um Marina und Carsten, die in ihrer Schulzeit einmal ein Paar waren und nach vielen Jahren durch ein anstehendes Klassentreffen wieder miteinander in Kontakt kommen. Aus einem zunächst recht harmlosen Telefonat entwickelt sich nach und nach ein Gespräch, in dem alte Erinnerungen und Gefühle wieder an die Oberfläche kommen.
Grundsätzlich fand ich es gar nicht schlecht, dass die beiden Stücke so unterschiedlich aufgebaut sind. Dadurch wirkt das Buch zumindest abwechslungsreicher, als wenn beide Texte in dieselbe Richtung gegangen wären. Trotzdem konnte mich die Atmosphäre insgesamt nicht wirklich packen. Es gab schon einzelne Stellen, die durchaus ihren Reiz hatten und hin und wieder musste ich auch schmunzeln. Aber dieses Gefühl, wirklich in einer Geschichte drin zu sein oder emotional mitzugehen, wollte sich bei mir einfach nicht einstellen.
Charaktere & Stil
Ich glaube, mein größtes Problem mit diesem Buch war tatsächlich weniger der Inhalt an sich, sondern die Form. Ich merke für mich einfach immer wieder, dass ich mit Theaterstücken nur sehr schwer warm werde. Mir fehlt dabei oft etwas, das ich in Romanen oder anderen Erzählformen viel leichter finde: Nähe, Tiefe und das Gefühl, wirklich in eine Geschichte hineinzuziehen.
Gerade deshalb fällt es mir auch schwer, das Buch einfach pauschal schlecht zu bewerten. Denn ich glaube gar nicht unbedingt, dass die Texte an sich das Problem waren. Man merkt schon, dass da Ideen drinstecken und dass sowohl im humorvollen als auch im ernsteren Bereich etwas transportiert werden soll. Auch die Dialoge und Monologe haben durchaus Momente, in denen sie funktionieren. Nur kam das bei mir einfach nicht richtig an.
Besonders beim ersten Stück hatte ich zwar stellenweise diesen leicht skurrilen, kabarettistischen Ton, der sicher seinen Reiz hat, aber auf Dauer konnte mich das nicht tragen. Beim zweiten Stück war zumindest etwas mehr emotionale Grundlage da, weil die Vergangenheit der Figuren und ihre gemeinsame Geschichte mitschwingen. Trotzdem blieb auch das für mich eher auf Distanz.
Der Stil ist insgesamt natürlich stark von der Theaterform geprägt und genau das war eben der Punkt, mit dem ich am meisten gehadert habe. Ich brauche beim Lesen oft mehr erzählerischen Fluss, mehr Atmosphäre und mehr Bindung zu den Figuren. Hier hatte ich eher das Gefühl, dass ich danebenstehe, statt wirklich mittendrin zu sein. Deshalb wirkte das Buch auf mich über weite Strecken eher öde, obwohl ich durchaus sehe, dass andere Leser damit wahrscheinlich mehr anfangen können als ich.
Fazit
Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten und Einladung zum Klassentreffen ist für mich ein Buch, bei dem ich fairerweise sagen muss, dass meine eher verhaltene Bewertung stark mit meinem persönlichen Lesegeschmack zusammenhängt. Es gab durchaus einzelne Momente, die ich witzig oder interessant fand und hin und wieder musste ich auch schmunzeln. Insgesamt konnte mich das Buch aber leider nicht wirklich fesseln.
Ich bin einfach kein Mensch, der mit Theaterstücken besonders viel anfangen kann und genau das habe ich hier sehr deutlich gemerkt. Deshalb möchte ich auch gar nicht behaupten, dass das Buch grundsätzlich schlecht ist. Es war nur schlicht nicht die richtige Form für mich, um wirklich Freude daran zu haben.
Empfehlen würde ich es am ehesten Lesern, die gern Theatertexte lesen und mit dieser besonderen Art des Erzählens etwas anfangen können. Wer da ohnehin offen ist, entdeckt hier vielleicht mehr, als ich es für mich mitnehmen konnte. Für mich persönlich war es insgesamt aber eher ein durchwachsenes Leseerlebnis.
Kommentare
0Zu diesem Beitrag gibt es noch keine freigegebenen Kommentare. Du kannst gerne den Anfang machen.
Kommentar schreiben