Schon die Grundidee von Letztendlich sind wir dem Universum egal fand ich unglaublich spannend. Jeden Morgen in einem anderen Körper aufzuwachen, ohne Einfluss darauf zu haben, wer man an diesem Tag ist, eröffnet unzählige Möglichkeiten. Gleichzeitig wirft diese Idee viele Fragen auf: Was macht einen Menschen eigentlich aus? Ist es der Körper, das Geschlecht oder doch eher die Persönlichkeit? Und kann Liebe funktionieren, wenn der Mensch, den man liebt, jeden Tag anders aussieht?
Genau diese Fragen haben mich neugierig auf das Buch gemacht. Ich mag Geschichten, die etwas anders sind und sich mit Themen beschäftigen, über die man auch nach dem Lesen noch nachdenken kann. Deshalb hatte ich durchaus hohe Erwartungen an die Geschichte.
Inhalt & Stimmung
A führt ein Leben, das sich wohl kaum jemand vorstellen kann. Jeden Morgen wacht A im Körper eines anderen Jugendlichen auf und lebt für einen einzigen Tag dessen Leben. Am nächsten Morgen beginnt alles wieder von vorn – mit einer neuen Familie, einem neuen Umfeld und einem neuen Körper. Über die Jahre hat A gelernt, sich möglichst unauffällig zu verhalten und keine Spuren zu hinterlassen.
Doch dann begegnet A Rhiannon. Zum ersten Mal reicht es nicht mehr aus, einfach nur weiterzuziehen. Plötzlich entsteht der Wunsch nach Beständigkeit, obwohl genau diese im eigenen Leben eigentlich unmöglich ist. Daraus entwickelt sich eine Geschichte, die sich weniger auf Spannung als vielmehr auf Gefühle, Identität und die Frage konzentriert, was Liebe eigentlich bedeutet.
Die Atmosphäre des Buches fand ich insgesamt angenehm. Die Geschichte wirkt ruhig und nachdenklich, ohne dabei schwer oder kompliziert zu werden. Immer wieder regt sie dazu an, über die eigenen Vorstellungen von Identität und Beziehungen nachzudenken. Gerade das hat mir gut gefallen.
Auch die Grundidee bleibt für mich definitiv die größte Stärke des Buches. Sie hebt sich von vielen anderen Jugendbüchern ab und sorgt dafür, dass die Geschichte etwas Besonderes hat. Gleichzeitig hatte ich aber das Gefühl, dass mich die Handlung emotional nicht so sehr mitgenommen hat, wie ich es mir aufgrund dieser spannenden Ausgangssituation erhofft hatte.
Charaktere & Stil
A ist eine außergewöhnliche Hauptfigur, gerade weil sie keinem festen Körper und keiner festen Identität zugeordnet werden kann. Dadurch entsteht automatisch eine ganz andere Perspektive auf das Leben und auf zwischenmenschliche Beziehungen. Diese Idee fand ich wirklich interessant umgesetzt und sie sorgt dafür, dass man viele Situationen aus einem ungewohnten Blickwinkel betrachtet.
Auch Rhiannon konnte ich grundsätzlich nachvollziehen. Schließlich steht sie vor einer Situation, die eigentlich unmöglich erscheint. Wie soll man jemanden lieben, der jeden Tag völlig anders aussieht? Genau diese Frage zieht sich durch die gesamte Geschichte und macht einen großen Teil ihres Reizes aus.
Der Schreibstil ließ sich angenehm lesen und passt gut zu einem Jugendbuch. Alles wirkt leicht verständlich und flüssig erzählt. Trotzdem habe ich während des Lesens gemerkt, dass mich die Geschichte nicht mehr ganz so erreicht hat, wie sie es vielleicht einige Jahre früher getan hätte.
Und genau das ist auch mein persönlicher Knackpunkt bei diesem Buch. Ich glaube gar nicht, dass die Geschichte schlecht ist – ganz im Gegenteil. Ich kann gut verstehen, warum viele Leserinnen und Leser sie mögen. Für mich persönlich hatte ich allerdings immer wieder das Gefühl, dass ich einfach nicht mehr die eigentliche Zielgruppe bin.
Vielleicht klingt das etwas komisch, aber ich hatte beim Lesen häufiger den Gedanken, dass ich aus dieser Art von Geschichte inzwischen einfach herausgewachsen bin. Die Themen sind schön umgesetzt und die Idee bleibt spannend, trotzdem hat mich das Buch emotional nicht mehr so abgeholt, wie ich es mir gewünscht hätte. Das ist für mich aber eher eine Frage des persönlichen Geschmacks als der Qualität der Geschichte selbst.
Fazit
Letztendlich sind wir dem Universum egal lebt für mich vor allem von seiner außergewöhnlichen Grundidee. Die Fragen nach Identität, Liebe und Persönlichkeit sind spannend und regen durchaus zum Nachdenken an. Auch der Schreibstil lässt sich angenehm lesen und die Geschichte hebt sich durch ihr besonderes Konzept von vielen anderen Jugendbüchern ab.
Trotzdem blieb bei mir am Ende das Gefühl, dass ich einfach nicht mehr die richtige Zielgruppe für dieses Buch bin. Die Geschichte ist wirklich süß und ich kann nachvollziehen, warum sie vielen Leserinnen und Lesern so gut gefällt. Mich persönlich hat sie allerdings nicht so stark berührt, wie ich es mir erhofft hatte.
Deshalb fällt meine Bewertung insgesamt etwas gemischter aus. Ich habe das Buch gern gelesen und bereue die Zeit damit nicht, aber es gehört für mich nicht zu den Geschichten, die lange nachhallen werden. Wer gern emotionale Jugendbücher mit einer ungewöhnlichen Idee liest, sollte dem Buch aber durchaus eine Chance geben.
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